Welterbe Preis » Preisträger » Preisträger 2010
Harald Lobitzer, geboren am 10. Oktober 1944 in Wels. Matura am Humanistischen Gymnasium in Kremsmünster. Studium der Geologie an der Universität Wien, Dr. phil., Anstellung an der Geologischen Bundesanstalt in Wien. Wiederholt Dienstfreistellung für Wirtschafts- und Entwicklungshilfe-Projekte in außereuropäischen Ländern, z. B. für die Aufsuchung von Zementrohstoffen in Nigerien, Kaolin-Prospektion in Tansania, Aufsuchung von hochwertigen Dolomit-Vorkommen in Syrien. Wie Harald Lobitzer rückblickend meint, waren insbesondere seine afrikanischen Jahre die interessantesten seines Lebens.
Die mannigfaltigen internationalen Erfahrungen führten schließlich dazu, dass Harald Lobitzer auch in Österreich Rohstoff-Projekte leitete. Zudem erhielt er am Geologischen Institut der Universität Wien einen Lehrauftrag mit dem Titel „Geologie der Industrieminerale und -gesteine", womit seine Ernennung zum Universitätslektor verbunden war. Schließlich wurde für ihn an der Geologischen Bundesanstalt die „Stabsstelle für Inlands- und Auslands-Koordination" eingerichtet. Mit der Wissenschaftskoordination war Harald in seinem Element, wobei ihm sowohl die Kontakte zu den Nachbarländern, als auch zur EU in Brüssel oblagen.
Eine besondere Wertschätzung erfuhr Harald Lobitzer durch seine Aufnahme in den kleinen Kreis von Naturwissenschaftlern der „Österreichischen UNESCO-Kommission" als österreichischer Repräsentant für die Geologie. Sein Bestreben galt fortan insbesondere der Förderung von geo-touristischen Projekten. Insbesondere war ihm die Errichtung eines Europäischen bzw. UNESCO-Geoparks im Inneren Salzkammergut ein Anliegen. Es war Harald Lobitzer jedoch nicht vergönnt, die lokalen Entscheidungsträger vom regionalwirtschaftlichen Potential eines derartigen Projekts überzeugen zu können.
Seit seiner Pensionierung Ende November 2003 lebt Harald Lobitzer in Bad Ischl. Noch immer scheint für ihn kaum etwas wichtiger zu sein, als sein Wissen über die facettenreiche Entstehung der Landschaft des Salzkammergutes zu vertiefen und weiterzugeben. Dies tut er sowohl bei geologischen Wanderungen, als auch in Essais im „Traunspiegel" sowie im „Gosauer Schwarzreiter". Im Rahmen der Landesausstellung im Jahre 2008 war Harald mit der Erstellung von etwa 30 Tafeln für Geo-Lehrpfade in Gosau, Hallstatt und Obertraun befasst. Zu seinen Interessen zählt auch die Volkskultur im Salzkammergut, insbesondere die Volksmusik.
Gerhard W. Mandl, Jahrgang 1954, geboren und aufgewachsen in St. Pölten, wo er auch 1974 an der HTL Fachrichtung Elektronik maturiert hat. Nach zwei Jahren Studium an der Technischen Universität Wien ist er dann zu den Naturwissenschaften und zur Geologie auf die Universität Wien gewechselt.
Schon seit der Volksschulzeit gab es erste Verbindungen mit dem Salzkammergut, da er über viele Jahre die Sommerferien bei Verwandten am Attersee verbringen konnte. Die Zahnradbahn auf den Schafberg, die Seilbahn auf die Katrin, das Salzbergwerk in Bad Ischl und die Rieseneishöhle am Dachstein zählen neben den Seen zu seinen frühen Kindheitserinnerungen.
Bereits in der Anfangsphase des Geologiestudiums gab es dann eine neuerliche Begegnung mit der Region - das zweite Geländepraktikum fand am Raschberg bei Bad Goisern statt, mit Hauptquartier auf der Hütteneckalm. Das hätte eigentlich auch schon wieder das Ende dieser Verbindung bedeuten können, denn das Praktikum Ende Juni 1978 begann nicht sehr einladend mit Gewitter und Schneefall. Die ersten Eindrücke von der Geologie des Salzkammerguts waren dann aber bereits für den Studienanfänger so faszinierend, dass er der Region treu blieb und seine erste eigene wissenschaftliche Arbeit über das Gebiet zwischen der Goiserer Hütteneckalm und der Blaa-Alm im Ausseerland verfasste.
Für die Doktorarbeit bot ihm dann sein Professor Alexander Tollmann die Wahl zwischen dem Schwechattal in Niederösterreich und dem Zwieselalm-Gosaukammgebiet - keine Frage, er entschied sich für die Zwieselalm. In der Vergangenheit hatten hier schon etliche berühmte Geologen um die Klärung des geologischen Baues gerungen und waren sich dabei teilweise heftig in die Haare geraten. Es versprach spannend zu werden, alte Streitfragen mit neuen Ideen und Methoden zu untersuchen. Schon Mojsisovics, der wichtigste Bearbeiter der Hallstätter Ammoniten, hatte hier 1873 festgestellt: „Hier spottet die Natur der in anderen Gegenden mit Erfolg angewendeten Beobachtungsmethoden ... denn nichts scheint die Regel zu sein, als der Wechsel der schneidendsten Gegensätze". Tatsächlich konnten dann die oft widersprüchlich scheinenden Argumente in einem Modell zusammengefasst werden. Wie lebendig Wissenschaft sein kann, zeigt sich hier aber in den letzten Jahren, seit neue Daten und Modelle das damals Erreichte erneut in Frage zu stellen scheinen.
Nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums begann seine berufliche Laufbahn mit einem „Halbtagsjob" als Assistent am Geologischen Institut der technischen Universität in Wien. Die Notwendigkeit, Bauingenieurstudenten die Grundlagen der Geologie zu vermitteln, bot für fast zwei Jahre die Gelegenheit, die Übersetzung komplizierter geologischer Sachverhalte in allgemein verständliche Darstellungen zu üben. Teile der bunten Broschüre „Rocky Austria" wurzeln in dieser Zeit. Neben der Arbeit auf der TU begann Gerhard Mandl ab Sommer 1983 als auswärtiger Mitarbeiter für die Geologische Bundesanstalt an der geologischen Landesaufnahme, der so genannten „Kartierung", zu arbeiten und übernahm die Bearbeitung des Südrandes der Dachsteingruppe einerseits und des Rax-Schneeberg-Gebietes andererseits. Ab Herbst 1984 konnte er in den Dienst der Geologischen Bundesanstalt wechseln. In den Folgejahren erlangten dann die Projekte in den östlichen Kalkalpen den Vorrang. Unter Anderem leitete er mehr als 10 Jahre eine Arbeitsgruppe, die das Einzugsgebiet der Wiener Hochquellenleitung zwischen Hochschwab und Schneeberg geologisch untersuchte.
Das Thema Wasser brachte dann auch eine erste Rückkehr ins Salzkammergut: Für ein Projekt des Umweltbundesamtes erstellte er eine geologische Karte der Dachsteinregion, basierend auf bereits bestehenden geologischen Karten und auf eigenen Neuaufnahmen der bislang wenig bekannten östlichen Ausläufer des Dachsteinmassives bis hin zum Pass Stein. Kurz vor Drucklegung dieser Karte erlangte das Innere Salzkammergut den Status einer UNESCO-Welterberegion. Da die Kartendarstellung nahezu das gesamte Welterbegebiet umfasste - es fehlt nur ein kleines Stück nördlich des Sarsteins - wurden kurz entschlossen die Grenzen des Welterbegebietes in die Karte aufgenommen, um ohne großen Mehraufwand eine geologische Karte der Welterberegion herzustellen.
Die Erfahrung aus der Arbeit in anderen Abschnitten der Kalkalpen und aus Exkursionen darüber hinaus schärfte in all den Jahren das Bewusstsein dafür, wie einzigartig und beispielhaft das Salzkammergut eigentlich ist. Man ist schon eigenartig berührt, wenn man in der arabischen Wüste vor dem etwa 2000 m hohen Jebel Misht steht und den gebankten Dachsteinkalk mit seinen typischen Kuhtrittmuscheln vor sich sieht und nicht weit davon entfernt rote Kalkklippen aus dem Wüstensand ragen, die voll von Hallstätter Ammoniten sind.
Diese Erfahrungen waren auch eine wichtige Grundlage, als sich 2001 im Museum Hallstatt die Gelegenheit bot, eine Ausstellung zur Erdgeschichte des Welterbegebietes zu gestalten. Die positiven und interessierten Rückmeldungen der Einheimischen und auch mancher Touristen waren eine Ermutigung, 2003 etwas Ähnliches auch im Kammerhofmuseum in Gmunden einzurichten. 2008 bot dann die oberösterreichische Landesausstellung Herrn Mandl die einzigartige Möglichkeit, ein ganzes Museum in Konzept und Umsetzung mitzugestalten, als die Geologische Bundesanstalt vom Heimatverein Gosau damit beauftragt wurde.
Aktuell sind Gerhard Mandls Arbeiten zu den Erläuterungen des geologischen Kartenblattes GÖK 96-Bad Ischl, die nahezu abgeschlossen sind und seine Hoffnung nähren, doch noch die schon lange beabsichtigten populären Erläuterungen zu seiner Dachsteinkarte in Angriff nehmen zu können. Sein Bemühen, die Erdwissenschaften, ihre Faszination und ihre Bedeutung für unser alltägliches Leben auch einem nichtwissenschaftlichen Publikum zu vermitteln, ist auch treibende Kraft für dieses noch ausständige Werk.
